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SYSTEMD-CRYPTENROLL(1) systemd-cryptenroll SYSTEMD-CRYPTENROLL(1)

BEZEICHNUNG

systemd-cryptenroll - PKCS#11-, FIDO2-, TPM2-Token/-Geräte bei LUKS2-verschlüsselten Datenträgern registrieren

ÜBERSICHT

systemd-cryptenroll [OPTIONEN…] [GERÄT]

BESCHREIBUNG

systemd-cryptenroll ist ein Werkzeug zum Registrieren von Hardware-Sicherheits-Token und -Geräten an LUKS2-verschlüsselten Datenträgern, die dann zum Entsperren des Datenträgers während des Systemstarts verwandt werden können. Es unterstützt insbesondere die Registrierung von Token und Anmeldedaten von folgenden Typen:

1.PKCS#11-Sicherheits-Token und -Smartcards, die ein RSA-Schlüsselpaar transportieren (z.B. verschiedene YubiKeys).

2.FIDO2-Sicherheits-Token, die die Erweiterung »hmac-secret« implementieren (die meisten FIDO2-Schlüssel, einschließlich YubiKeys)

3.TPM2-Sicherheitsgeräte

4.Reguläre Passphrasen

5.Rettungsschlüssel. Diese entsprechen regulären Ausdrücken, werden allerdings zufällig auf dem Computer erstellt und haben daher im Allgemeinen eine höhere Entropie als vom Benutzer ausgewählte Passphrasen. Ihr Zeichensatz wurde entwickelt, um sicherzustellen, dass sie leicht einzutippen sind und weiterhin eine hohe Entropie haben. Sie können von dem Bildschirm auch mittels eines QR-Codes eingelesen werden. Rettungsschlüssel können zum Entsperren von LUKS2-Datenträgern verwandt werden, wann immer Passphrasen akzeptiert werden. Sie sind dazu gedacht, in Kombination mit einem registrierten Hardware-Sicherheits-Token als Rettungsoption verwandt zu werden, wenn der Token verloren geht.

Das Werkzeug kann zusätzlich zum Aufzählen derzeit registrierter Sicherheits-Token und dem Löschen einer Teilmenge von ihnen verwandt werden. Letzteres kann mit der Registrieraktion eines neuen Sicherheits-Token kombiniert werden, um Registrierungen zu aktualisieren oder zu ersetzen.

Das Werkzeug unterstützt nur LUKS2-Datenträger, da es die Metainformationen des Tokens in dem LUKS2-JSON-Token-Bereich speichert, der bei anderen Verschlüsselungsformaten nicht vorhanden ist.

TPM2-PCRs und -Richtlinien

PCRs ermöglichen das Binden von Verschlüsselung von Geheimnissen an bestimmte Softwareversionen und den Systemzustand, so dass der registrierte Schlüssel nur zugreifbar ist (»entsiegelt« werden kann), falls bestimmte, vertrauenswürdige Sofware oder Konfiguration verwandt wird. Solche Bindungen können mit der nachfolgend beschriebenen Option --tpm2-pcrs= erstellt werden.

Geheimnisse können auch indirekt angebunden werden: eine signierte Richtlinie für einen Zustand aus der Kombination einiger PCR-Werte wird bereitgestellt und das Geheimnis ist an den öffentlichen Teil des Schlüssels gebunden, der zur Signatur dieser Richtlinie verwandt wird. Dies bedeutet, das der Eigentümer eines Schlüssel eine Reihe von signierten Richtlinien für bestimmte Software-Versionen und Systemzustände erstellen kann, und dass das Geheimnis entschlüsselt werden kann, solange der Maschinenzustand auf eine dieser Richtlinien passt. Beispielsweise könnte ein Lieferant für jede Kernel+Initrd-Aktualisierung ein Richtlinie bereitstellen, wodurch es Benutzern ermöglicht würde, Geheimnisse zu verschlüsseln, so dass sie entschlüsselt werden können, wenn eine der vom Lieferanten signierte Kombination von Kernel+Initrd ausgeführt wird. Solche Bindungen können mit den nachfolgend beschriebenen Optionen --tpm2-public-key=, --tpm2-public-key-pcrs=, --tpm2-signature= erstellt werden.

Siehe die Linux-TPM-PCR-Registratur[1] für eine verbindliche Liste von PCRs und deren Aktualisierungsart. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Kurzreferenz, sie beschreibt insbesondere die von Systemd veränderten PCRs.

Tabelle 1. Gut-bekannte PCR-Definitionen

PCR Name Erklärung
0 platform-code Ausführbarer Code der Kernsystem-Firmware; ändert sich bei Firmware-Aktualisierungen
1 platform-config Konfiguration der Kernsystem-Firmware-Daten/Rechner-Plattform; enthält typischerweise die Serien- und Modellnummer, ändert sich beim Austausch grundlegender Hardware-/CPU-/RAM-Komponenten
2 external-code Erweiterter oder austauschbarer ausführbarer Code; einschließlich Options-ROMs und austauschbarer Hardware
3 external-config Erweiterte oder austauschbare Firmware-Daten; einschließlich Informationen über austauschbare Hardware
4 boot-loader-code Systemstartprogramm und zusätzliche Treiber; PE-Programm vom Systemstartprogramm aufgerufen; Änderungen an Systemstart-Aktualisierungen. sd-stub(7) misst vom ESP eingelesene Systemerweiterungs-Abbilder hier auch ein (siehe systemd-sysext(8)).
5 boot-loader-config GPT-/Partitionstabelle; ändert sich, wenn Partitionen hinzugefügt, verändert oder entfernt werden
7 secure-boot-policy Sicherer Systemstartzustand; ändert sich, wenn der UEFI-SecureBoot-Modus aktiviert/deaktiviert wird oder sich Firmware-Zertifikate (PK, KEK, db, dbx, …) ändern.
9 kernel-initrd Der Linux-Kernel misst alle Initrds, die er empfängt, in dieses PCR.
10 ima Das IMA-Projekt misst seinen Laufzeitzustand in dieses PCR.
11 kernel-boot systemd-stub(7) misst das ELF-Kernelabbild, die eingebettete Initrd und andere Nutzlastdaten des PE-Abbildes, in das sie abgelegt sind, in diesen PCR. systemd-pcrphase.service(8) misst Systemstartphasen-Zeichenketten in diesen PCR zu verschiedenen Meilensteinen im Systemstartprozess.
12 kernel-config systemd-boot(7) misst die Kernelbefehlszeile in dieses PCR. systemd-stub(7) misst jede manuell angegebene Kernelbefehlszeile ein (d.h. eine Kernelbefehlszeile, die in dem vereinigten PE-Abbild eingebettet ist, außer Kraft setzt) und lädt die Zugangsberechtigungen in dieses PCR ein.
13 sysexts systemd-stub(7) misst jedes systemd-sysext(8)-Abbild, das es an den gestarteten Kernel übergibt, in diesen PCR.
14 shim-policy Das Shim-Projekt misst seine »MOK«-Zertifikate und -Hashes in dieses PCR.
15 system-identity systemd-cryptsetup(8) misst optional den Datenträgerschlüssel von aktivierten LUKS-Datenträgern in diesen PCR. systemd-pcrmachine.service(8) misst die machine-id(5) in diesen PCR. systemd-pcrfs@.service(8) misst Einhängepunkte, Dateisystem-UUIDs, Bezeichnungen, Partitions-UUIDs der Wurzel -und /var/-Dateisysteme in diesen PCR.
16 debug Fehlersuche
23 application-support Unterstützung von Anwendungen

Im allgemeinen sollten verschlüsselte Datenträger an eine Kombination von PCR 7, 11 und 14 (falls Shim/MOK verwandt wird) gebunden werden. Damit Firmware und das Betriebssystem aktualisiert werden können, wird typischerweise nicht empfohlen, PCRs wie 0 und 2 zu verwenden, da der von ihnen abgedeckte Programm-Code bereits indirekt über die in PCR 7 eingemessenen Zertifikate abgedeckt sein sollte. Prüfung über Zertifikats-Hashes ist typischerweise gegenüber der Validierung über direkte Messung zu bevorzugen, da es im Zusammenhang mit Betriebssystem-/Firmware-Aktualisierungen weniger zerbrechlich ist: die Messung ändert sich bei jeder Aktualisierung, aber Signaturen sollten unverändert bleiben. Siehe die Linux-TPM-PCR-Registratur[1] für eine weitere Besprechung.

EINSCHRÄNKUNGEN

Beachten Sie, dass es notwendig ist, wenn ein neuer Schlüssel von einer der fünf oben aufgeführten unterstützten Typen registriert wird, zuerst eine Passphrase, einen Wiederherstellungsschlüssel oder einen FIDO2-Token bereitzustellen. Es wird derzeit nicht unterstützt, ein Gerät mit einem TPM2/PKCS#11-Schlüssel zu entsperren, um einen neuen TPM2/PKCS#11-Schlüssel zu registrieren. Falls daher in der Zukunft einen Schlüsseltausch gewünscht wird, wird im Allgemeinen empfohlen, immer eine Passphrase, einen Wiederherstellungsschlüssel oder einen FIDO2-Token zu registrieren.

Beachten Sie auch, dass die Registrierung mehrerer FIDO2-Token derzeit eingeschränkt ist. Wenn mehrere FIDO2-Token registriert werden, wird systemd-cryptseup Vorabanfragen durchführen, um zu ermitteln, welche der registrierten Token derzeit eingesteckt ist. Dies ist allerdings für FIDO2-Token mit Benutzerprüfung (UV, normalerweise über Biometrie) nicht möglich. In diesem Fall wird es darauf zurückfallen, der Reihe nach jeden registrierten Token auszuprobieren. Dadurch wird mehrmals um die Eingabe der PIN und der Benutzerüberprüfung gebeten. Diese Einschränkung betrifft PKCS#11-Token nicht.

OPTIONEN

Die folgenden Optionen werden verstanden:

--password

Registriert ein reguläres Passwort/eine reguläre Passphrase. Dieser Befehl entspricht größtenteils cryptsetup luksAddKey, allerdings in Kombination mit --wipe-slot= in einem Aufruf, siehe unten.

--recovery-key

Registriert einen Rettungsschlüssel. Rettungsschlüssel sind größtenteils identisch zu Passphrasen, sind aber Computer-generiert statt durch Menschen ausgewählt und haben daher eine höhere garantierte Entropie. Die Schlüssel verwenden einen Zeichensatz, der leicht einzugeben ist und vom Bildschirm mittels eines QR-Codes eingelesen werden kann.

--unlock-key-file=PFAD

Verwendet eine Datei statt ein aus der Standardeingabe gelesenes Passwort (eine Passphrase), um den Datenträger zu entsperren. Erwartet den PFAD zu der Datei, die Ihren Schlüssel enthält, um den Datenträger zu entsperren. Derzeit gibt es nichts wie --key-file-offset= oder --key-file-size=, daher darf diese Datei nur den vollständigen Schlüssel enthalten.

--unlock-fido2-device=PFAD

Ein FIDO2-Gerät anstelle eines aus der Standardeingabe gelesenen Passwortes/einer Passphrase zum Entsperren des Datenträgers verwenden. Erwartet ein Hidraw-Gerät, das sich auf ein FIDO2-Gerät bezieht (z. B. /dev/hidraw1). Alternativ kann der besondere Wert »auto« angegeben werden, um automatisch den Geräteknoten des aktuell eingesteckten Sicherheits-Token zu bestimmen (davon darf es nur genau einen geben). Diese automatische Erkennung wird nicht unterstützt, falls auch die Option --fido2-device= angegeben wird.

--pkcs11-token-uri=URI

Registriert einen PKCS#11-Sicherheits-Token oder eine Smartcard (z.B. einen YubiKey). Erwartet eine PKCS#11-Smartcard-URI, die sich auf den Token bezieht. Alternativ kann der besondere Wert »auto« angegeben werden, um automatisch die URI des aktuell eingesteckten Sicherheits-Tokens zu bestimmen (davon darf es nur genau einen geben). Der besondere Wert »list« kann zum Aufzählen aller derzeit eingesteckten geeigneten PKCS#11-Token verwandt werden. Der Sicherheits-Token muss ein RSA-Schlüsselpaar enthalten, das zum Verschlüsseln des zufällig erstellten Schlüssels verwandt wird, der zum Entsperren des LUKS2-Datenträgers eingesetzt wird. Der verschlüsselte Schlüssel wird dann in dem LUKS2-JSON-Token-Kopfzeilenbereich gespeichert.

Um einen LUKS2-Datenträger mit einem registrierten PKCS#11-Sicherheits-Token zu entsperren, legen Sie die Option pkcs11-uri= in der zutreffenden Zeile in /etc/crypttab fest:

meindatenträger /dev/sda1 - pkcs11-uri=auto

Siehe crypttab(5) für ein umfassenderes Beispiel eines Aufrufs von systemd-cryptenroll und der zugehörigen Zeile in /etc/crypttab.

--fido2-credential-algorithm=ZEICHENKETTE

Gibt den bei der Erstellung von Zugangsberechtigungen zu verwendenden COSE-Algorithmus an. Der Vorgabewert ist »es256«. Unterstützte Werte sind »es256«, »s256« und »eddsa«.

»es256« bezeichnet ECDSA über NIST P-256 mit SHA-256. »rs256« bezeichnet 2048-bit RSA mit PKCS#1.5-Auffüllung und SHA-256. »eddsa« bezeichnet EDDSA über Curve25519 mit SHA-512.

Beachten Sie, dass Ihr Authentikator nicht alle Algorithmen unterstützen könnte.

--fido2-device=PFAD

Registriert einen FIDO2-Sicherheits-Token, der die Erweiterung »hmac-secret« implementiert (z.B. einen YubiKey). Erwartet ein Hidraw-Gerät, das sich auf ein FIDO2-Gerät bezieht (z.B. /dev/hidraw1). Alternativ kann der besondere Wert »auto« angegeben werden, um automatisch den Geräteknoten des aktuell eingesteckten Sicherheits-Tokens zu bestimmen (davon darf es nur genau einen geben). Diese automatische Erkennung wird nicht unterstützt, falls auch die Option --unlock-fido2-device= angegeben wird Der besondere Wert »list« kann zum Aufzählen aller derzeit eingesteckten geeigneten FIDO2-Token verwandt werden. Beachten Sie, dass viele Hardware-Sicherheits-Token, die FIDO2 implementieren, ebenfalls den älteren PKCS#11-Standard implementieren. Typischerweise sollte FIDO2 bevorzugt werden, da es leichter zu verwenden und moderner ist.

Um einen LUKS2-Datenträger mit einem registrierten FIDO2-Sicherheits-Token zu entsperren, legen Sie die Option fido2-device= in der zutreffenden Zeile in /etc/crypttab fest:

meindatenträger /dev/sda1 - fido2-device=auto

Siehe crypttab(5) für ein umfassenderes Beispiel eines Aufrufs von systemd-cryptenroll und der zugehörigen Zeile in /etc/crypttab.

--fido2-with-client-pin=LOGISCH

Steuert beim Registrieren eines FIDO2-Sicherheits-Tokens, ob der Benutzer eine PIN beim Entsperren des Datenträgers eingeben muss (die FIDO2-Funktionalität »clientPin«). Standardmäßig »yes«. (Beachten Sie: Diese Einstellung ist wirkungslos, falls der Sicherheits-Token die Funktionalität »clientPin« überhaupt nicht unterstützt oder das Aktivieren oder Deaktivieren nicht erlaubt.)

--fido2-with-user-presence=LOGISCH

Steuert beim Registrieren eines FIDO2-Sicherheits-Tokens, ob der Benutzer seine Anwesenheit beim Entsperren des Datenträgers nachweisen muss (die FIDO2-Funktionalität »up«). Standardmäßig »yes«. (Beachten Sie: Diese Einstellung ist wirkungslos, falls der Sicherheits-Token die Funktionalität »up« überhaupt nicht unterstützt oder das Aktivieren oder Deaktivieren nicht erlaubt.)

--fido2-with-user-verification=LOGISCH

Steuert beim Registrieren eines FIDO2-Sicherheits-Tokens, ob der Benutzer beim Entsperren des Datenträgers überprüft werden muss (die FIDO2-Funktionalität »uv«). Standardmäßig »no«. (Beachten Sie: Diese Einstellung ist wirkungslos, falls der Sicherheits-Token die Funktionalität »uv« überhaupt nicht unterstützt oder das Aktivieren oder Deaktivieren nicht erlaubt.)

--tpm2-device=PFAD

Registriert einen TPM2-Sicherheits-Chip. Erwartet einen Geräteknotenpfad, der sich auf einen TPM2-Chip bezieht (z.B. /dev/tpmrm0). Alternativ kann der besondere Wert »auto« angegeben werden, um automatisch den Geräteknoten des aktuell ermittelten TPM2-Geräts zu bestimmen (davon darf es nur genau einen geben). Der besondere Wert »list« kann zum Aufzählen aller derzeit eingesteckten geeigneten TPM2-Chips verwandt werden.

Um einen LUKS2-Datenträger mit einem registrierten TPM2-Sicherheits-Chip zu entsperren, legen Sie die Option tpm2-device= in der zutreffenden Zeile in /etc/crypttab fest:

meindatenträger /dev/sda1 - tpm2-device=auto

Siehe crypttab(5) für ein umfassenderes Beispiel eines Aufrufs von systemd-cryptenroll und der zugehörigen Zeile in /etc/crypttab.

Verwenden Sie --tpm2-pcrs= (siehe unten), um zu konfigurieren, an welchen TPM2-PCR-Index die Registrierung angebunden werden soll.

--tpm2-pcrs= [PCR…]

Konfiguriert die TPM2 PCRs (Plattform-Konfigurationsregister), an wann die Registratur mittels --tpm2-device= erbeten wird. Akzeptiert eine Liste von PCR-Namen oder numerischen Indizes im Bereich 0…23. Mehrere PCR-Indizes werden durch »+« getrennt. Falls nicht angegeben ist die Vorgabe nur PCR 7. Falls eine leere Zeichenkette festgelegt ist, wird die Registrierung an überhaupt keine PCRs gebunden. Siehe die obige Tabelle für eine Liste der verfügbaren PCRs.

Beispiel: --tpm2-pcrs=boot-loader-code+platform-config+boot-loader-config gibt an, dass die PCR-Register 4, 1 und 5 verwandt werden sollen.

--tpm2-with-pin=LOGISCH

Beim Registrieren eines TPM2-Gerätes steuert dies, ob der Benutzer eine PIN beim Entsperren des Laufwerks zusätzlich zur PCR-Anbindung angeben muss, basierend auf der TPM2-Richtlinien-Authentifizierung. Standardmäßig »no«. Obwohl es PIN heißt, können alle Zeichen verwandt werden, nicht nur Zahlen.

Beachten Sie, dass eine inkorrekte PIN-Eingabe beim Entsperren den TPM-Wörterbuch-Sperrmechanismus erhöht und Benutzer für eine längere Zeit aussperren könnte, abhängig von seiner Konfiguration. Der Sperrmechanismus ist eine globale Eigenschaft des TPM, systemd-cryptenroll steuert oder konfiguriert den Sperrmechanismus nicht. Sie können die tpm2-tss-Werkzeuge zur Untersuchung oder Konfiguration des Wörterbuch-Sperrmechanismus mit den Befehlen tpm2_getcap(1) bzw. tpm2_dictionarylockout(1) verwenden.

--tpm2-public-key= [PFAD], --tpm2-public-key-pcrs= [PCR…], --tpm2-signature= [PFAD]

Konfiguriert eine TPM2-signierte PCR-Richtlinie, an die Verschlüsselung gebunden werden soll. Die Option --tpm2-public-key= akzeptiert einen Pfad zu einem PEM-kodierten öffentlichen Schlüssel, um daran die Verschlüsselung zu binden. Falls dies nicht explizit angegeben ist, aber eine Datei tpm2-pcr-public-key.pem in einem der Verzeichnisse /etc/systemd/, /run/systemd/, /usr/lib/systemd/ (in dieser Reihenfolge durchsucht) existiert, wird diese automatisch verwandt. Die Option --tpm2-public-key-pcrs= akzeptiert eine Liste von TPM2-PCR-Indices, an die angebunden wird (gleiche Syntax wie die oben beschriebene --tpm2-pcrs=). Falls nicht angegeben ist die Vorgabe 11 (d.h. dies bindet die Richtlinie an alle vereinigten Kernelabbilder, für die eine PCR-Signatur bereitgestellt werden kann).

Beachten Sie den Unterschied zwischen --tpm2-pcrs= und --tpm2-public-key-pcrs=: Ersterer bindet die Entschlüsselung an die aktuellen, angegebenen PCR-Werte; Letzteres bindet die Entschlüsselung an eine Gruppe von PCR-Werten, für die eine Signatur durch den angegebenen öffentlichen Schlüssel bereitgestellt werden kann. Leztere ist daher in Szenarien nützlicher, bei denen Software-Aktualisierungen möglich sein sollen, ohne Zugriff auf alle vorher verschlüsselten LUKS2-Datenträger zu verlieren. Ähnlich wie bei --tpm2-pcrs= können in der obigen Tabelle definierte Namen auch zur Festlegung der Register verwandt werden, beispielsweise --tpm2-public-key-pcrs=boot-loader-code+system-identity.

Die Option --tpm2-signature= akzeptiert einen Pfad zu einer TPM2-PCR-Signaturdatei, wie sie vom Werkzeug systemd-measure(1) erstellt wurde. Falls dies nicht explizit angegeben ist, wird nach einer geeigneten Signaturdatei tpm2-pcr-signature.json in /etc/systemd/, /run/systemd/, /usr/lib/systemd/ (in dieser Reihenfolge) gesucht und diese verwandt. Falls eine Signaturdatei angegeben oder gefunden wird, wird diese zur Überprüfung, ob der Datenträger in Abhängigkeit des aktuellen PCR-Zustandes damit entsperrt werden kann, verwandt, bevor eine neue Position auf Platte geschrieben wird. Dies ist als Sicherheitsnetz gedacht, um sicherzustellen, dass der Zugriff auf einen Datenträger nicht verloren geht, falls ein öffentlicher Schlüssel registriert wird, für den keine gültige Signatur für den aktuellen PCR-Zustand verfügbar ist. Falls die bereitgestellte Signatur die Kombination aus aktuellem PCR-Zustand und öffentlichen Schlüssel nicht entsperrt, wird keine Position registriert und die Aktion wird fehlschlagen. Falls keine Signaturdatei angegeben ist oder gefunden wird, erfolgt keine solche Sicherheitsüberprüfung.

--wipe-slot= [POSITION…]

Bereinigt einen oder mehrere LUKS2-Schlüsselpositionen. Akzeptiert eine Kommata-getrennte Liste von numerischen Positionsindices oder die besondere Zeichenkette »all« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen), »empty« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einer leeren Passphrase entsperrt sind), »password« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einer traditionellen Passphrase entsperrt sind), »recovery« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einem Wiederherstellungsschlüssel entsperrt sind), »pkcs11« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einem PKCS#11-Token entsperrt sind), »fido2« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einem Fido2-Token entsperrt sind), »tpm2« (um alle Schlüsselpositionen zu bereinigen, die mit einem TPM2-Chip entsperrt sind) oder jede Kombination dieser Zeichenketten oder numerischen Indices, wodurch dann alle Positionen, die auf einen davon passen, bereinigt werden. Als Vorsichtsmaßnahme wird eine Aktion, die alle Positionen ohne Ausnahme bereinigt (so dass der Datenträger überhaupt nicht mehr entsperrt werden kann, außer der Datenträger-Schlüssel ist bekannt), abgelehnt.

Dieser Schalter kann alleine verwandt werden. In diesem Fall wird nur die angefragte Bereinigungsaktion ausgeführt. Er kann auch in Kombination mit einer der oben aufgeführten Registrierungsoptionen verwandt werden. In diesem Fall wird zuerst die Registrierung abgeschlossen und nur wenn das erfolgreich war, wird die Bereinigungsaktion ausgeführt — und die frisch hinzugefügte Position wird immer von der Bereinigung ausgeschlossen. Die Kombination von Registrierung und Positionsbereinigung kann daher zur Aktualisierung bestehender Registrierungen verwandt werden:

systemd-cryptenroll /dev/sda1 --wipe-slot=tpm2 --tpm2-device=auto

Der obige Befehl wird den TPM2-Chip registrieren und dann alle vorher erstellten TPM2-Registrierungen auf dem LUKS2-Datenträger bereinigen, wodurch nur die frisch erstellte verbleibt. Die Kombination von Bereinigung und Registrierung kann auch zum Ersetzen der Registrierung von verschiedenen Typen verwandt werden, beispielsweise zum Ändern einer PKCS#11-Registrierung auf eine FIDO2-Registrierung:

systemd-cryptenroll /dev/sda1 --wipe-slot=pkcs11 --fido2-device=auto

Oder zum Ersetzen eines registrierten leeren Passworts durch TPM2:

systemd-cryptenroll /dev/sda1 --wipe-slot=empty --tpm2-device=auto

-h, --help

Zeigt einen kurzen Hilfetext an und beendet das Programm.

--version

Zeigt eine kurze Versionszeichenkette an und beendet das Programm.

EXIT-STATUS

Bei Erfolg wird 0 zurückgegeben, anderenfalls ein Fehlercode ungleich Null.

SIEHE AUCH

systemd(1), systemd-cryptsetup@.service(8), crypttab(5), cryptsetup(8), systemd-measure(1)

ANMERKUNGEN

1.
Linux TPM-PCR-Registratur

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG übernommen.

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