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SYSTEMD(1) systemd SYSTEMD(1)

BEZEICHNUNG

systemd, init - Systemd-System und Diensteverwalter

ÜBERSICHT

/lib/systemd/systemd [OPTIONEN…]

init [OPTIONEN…] {BEFEHL}

BESCHREIBUNG

Systemd ist ein System- und Diensteverwalter für das Linux-Betriebssystem. Wird es beim Systemstart als erster Prozess (als PID 1) ausgeführt, agiert es als Init-System, das das System hochfährt und Dienste auf Anwendungsebene verwaltet. Für angemeldete Benutzer zum Starten ihrer Dienste werden separate Instanzen gestartet.

systemd wird normalerweise nicht direkt durch den Benutzer aufgerufen, sondern wird als Symlink /sbin/init installiert und während der frühen Systemstartphase ausgeführt. Die Benutzerverwalterinstanzen werden automatisch durch den Dienst user@.service(5) gestartet.

Für die Kompatibilität mit SysV wird das Programm, falls es init genannt und nicht der erste Prozess auf der Maschine ist (PID ist nicht 1), telinit ausführen und alle Befehlszeilenargumente unverändert weitergeben. Das bedeutet, dass init und telinit beim Aufruf von normalen Anmeldesitzungen größtenteils äquivalent sind. Siehe telinit(8) für weitere Informationen.

Systemd interpretiert die Konfigurationsdatei system.conf und die Dateien in Verzeichnissen system.conf.d, wenn es als Systeminstanz läuft. Wenn es als Benutzerinstanz läuft, interpretiert Systemd die Konfigurationsdatei user.conf und die Dateien in Verzeichnissen user.conf.d. Siehe systemd-system.conf(5) für weitere Informationen.

KONZEPTE

Systemd stellt ein Abhängigkeitssystem zwischen verschiedenen Einheiten namens »Units« in 11 verschiedenen Typen bereit. Units kapseln verschiedene Objekte, die für den Systemstart und -betrieb relevant sind. Der Großteil der Units wird in Unit-Konfigurationsdateien, deren Syntax und grundlegenden Menge an Optionen in systemd.unit(5) beschrieben ist, konfiguriert. Einige Units werden allerdings automatisch aus anderer Konfiguration, dynamisch aus Systemzuständen oder programmatisch zur Laufzeit erstellt. Units können »aktiv« (dies bedeutet gestartet, gebunden, eingesteckt, …, abhängig vom Unit-Typ, siehe unten) oder »inaktiv« (dies bedeutet gestoppt, nicht gebunden, ausgesteckt, … ) sowie im Prozess der Aktivierung oder Deaktivierung, d.h. zwischen den zwei Zuständen (diese Zustände werden »Aktivierung« und »Deaktivierung« genannt) sein. Ein besonderer Zustand »fehlgeschlagen« ist auch verfügbar, der sehr ähnlich zu »inaktiv« ist und der erreicht wird, wenn der Dienst auf irgendeine Art fehlgeschlagen ist (Prozess lieferte beim Beenden einen Fehlercode, ist abgestürzt, eine Aktion erlebte eine Zeitüberschreitung oder nach zu vielen Neustarts). Falls dieser Zustand erreicht wird, wird die Ursache für spätere Einsichtnahme protokolliert. Beachten Sie, dass die verschiedenen Unit-Typen eine Reihe von zusätzlichen Unterzuständen haben können, die auf die fünf hier beschriebenen generalisierten Unit-Zustände abgebildet werden.

Die folgenden Unit-Typen sind verfügbar:

1.Dienste-Units, die Daemons und die Prozesse, aus denen sie bestehen, starten und steuern. Für Details siehe systemd.service(5).

2.Socket-Units, die lokale IPC- oder Netzwerk-Sockets in dem System kapseln, nützlich für Socket-basierte Aktivierung. Für Details über Socket-Units siehe systemd.socket(5), für Details über Socket-basierte Aktivierung und andere Formen der Aktivierung siehe daemon(7).

3.Ziel-Units sind für die Gruppierung von Units nützlich. Sie stellen während des Systemstarts auch gut bekannte Synchronisationspunkte zur Verfügung, siehe systemd.target(5).

4.Geräte-Units legen Kernel-Geräte in Systemd offen und können zur Implementierung Geräte-basierter Aktivierung verwandt werden. Für Details siehe systemd.device(5).

5.Einhänge-Units steuern Einhängepunkte in dem Dateisystem, für Details siehe systemd.mount(5).

6.Automount-Units stellen Selbsteinhänge-Fähigkeiten bereit, für bedarfsgesteuertes Einhängen von Dateisystemen sowie parallelisiertem Systemstart. Siehe systemd.automount(5).

7.Zeitgeber-Units sind für das Auslösen der Aktivierung von anderen Units basierend auf Zeitgebern nützlich. Sie können Details in systemd.timer(5) finden.

8.Auslagerungs-Units sind ähnlich zu Einhänge-Units und kapseln Speicherauslagerungspartitionen oder -dateien des Betriebssystems. Sie werden in systemd.swap(5) beschrieben.

9.Pfad-Units können zur Aktivierung andere Dienste, wenn sich Dateisystemobjekte ändern oder verändert werden, verwandt werden. Siehe systemd.path(5).

10.Scheiben-Units können zur Gruppierung von Units, die Systemprozesse (wie Dienste- und Bereichs-Units) in einem hierarchischen Baum aus Ressourcenverwaltungsgründen verwalten, verwandt werden. Siehe systemd.slice(5).

11.Bereichs-Units sind ähnlich zu Dienste-Units, verwalten aber fremde Prozesse, statt sie auch zu starten. Siehe systemd.scope(5).

Units werden wie ihre Konfigurationsdateien benannt. Einige Units habe besondere Semantiken. Eine detaillierte Liste ist in systemd.special(7) verfügbar.

Systemd kennt verschiedene Arten von Abhängigkeiten, einschließlich positiven und negativen Bedingungsabhängigkeiten (d.h. Requires= und Conflicts=) sowie Ordnungsabhängigkeiten (After= und Before=). Wohlgemerkt: Ordnungs- und Bedingungsabhängigkeiten sind orthogonal. Falls zwischen zwei Units nur eine Bedingungsabhängigkeit (z.B. foo.service bedingt bar.service) aber keine Ordnungsabhängigkeit (z.B. foo.service nach bar.service) existiert und beide zum Start angefragt werden, werden sie parallel gestartet. Es ist ein häufiges Muster, dass sowohl Bedingungs- als auch Ordnungsabhängigkeiten zwischen zwei Units angelegt werden. Beachten Sie auch, dass die Mehrzahl der Abhängigkeiten von Systemd implizit erstellt und verwaltet werden. In den meisten Fällen sollte es unnötig sein, zusätzliche Abhängigkeiten manuell zu deklarieren, allerdings ist dies möglich.

Anwendungsprogramme und Units (über Abhängigkeiten) können Statusänderungen von Units erbitten. In Systemd werden diese Anfragen als »Aufträge« gekapselt und in einer Aufträgewarteschlange verwaltet. Aufträge können erfolgreich sein und fehlschlagen, ihre Ausführungsreihenfolge basiert auf den Ordnungsabhängigkeiten der Units, für die sie eingeplant wurden.

Beim Systemstart aktiviert Systemd die Ziel-Unit default.target, deren Aufgabe es ist, die bei-Systemstart-Dienste und andere bei-Systemstart-Units zu aktivieren, indem sie sie mittels Abhängigkeiten hereinzieht. Normalerweise ist der Unit-Name nur ein Alias (Symlink) für entweder graphical.target (für vollfunktionale Systemstarts in die UI) oder multi-user.target (für begrenzte, rein konsolenbasierte Systemstarts zur Verwendung in eingebetteten oder Server-Umgebungen oder ähnlichen, eine Untermenge von graphical.target). Es obliegt aber dem Administrator, sie als Alias zu jeder anderen Ziel-Unit zu konfigurieren. Siehe systemd.special(7) für Details über diese Ziel-Units.

Systemd behält nur eine minimale Gruppe an Units im Speicher geladen. Konkret werden nur die Units im Speicher geladen gehalten, für die mindestens eine der nachfolgenden Bedingungen zutrifft:

1.Sie ist in einem aktiven, aktivierenden, deaktivierenden oder fehlgeschlagenen Zustand (d.h. in jedem Zustand außer »inactive«)

2.Für sie ist ein Auftrag in der Warteschlange

3.Sie ist in irgendeiner Art eine Abhängigkeit von mindestens einer anderen im Speicher geladenen Unit

4.Ihr ist noch irgendeine Form von Ressourcen zugewiesen (z.B. eine inaktive Dienste-Unit, für die aber ein Prozess noch herumlungert, der die Aufforderung zum Beenden ignorierte)

5.Sie wurde durch einen D-Bus-Aufruf programmatisch im Speicher festgepinnt

Systemd wird automatisch und implizit Units von der Platte laden — falls sie noch nicht geladen sind — sobald eine Aktion für sie angefordert wird. Daher ist in vielerlei Hinsicht die Tatsache, ob eine Unit geladen ist oder nicht, für Clients unsichtbar. Verwenden Sie systemctl list-units --all, um eine vollumfängliche Liste aller derzeit geladenen Units zu erhalten. Jede Unit, für die eine der oben aufgeführten Bedingungen zutrifft, wird sofort entladen. Beachten Sie, dass beim Entladen einer Unit aus dem Speicher die Buchführungsdaten auch entfernt werden. Allerdings sind diese Daten im Allgemeinen nicht verloren, da ein Journal-Protokolleintrag erstellt wird, der die verbrauchten Ressourcen deklariert, wann immer eine Unit herunterfährt.

Prozesse, die Systemd startet, werden in einer privaten Systemd-Hierarchie in individuellen Control-Gruppen von Linux, die nach der Unit, zu der sie gehören, benannt sind, gelegt (siehe cgroups.txt[1] für weitere Informationen über Control-Gruppen oder kurz »cgroups«). Systemd verwendend dies, um Prozesse effektiv nachzuverfolgen. Control-Gruppen-Informationen werden im Kernel verwaltet und sind über die Dateisystemhierarchie (unterhalb von /sys/fs/cgroup/systemd/) oder über Werkzeuge wie systemd-cgls(1) oder ps(1) verfügbar. (ps xawf -eo pid,user,cgroup,args ist besonders nützlich, um alle Prozesse und die Systemd-Units, zu denen sie gehören, aufzulisten.)

Systemd ist zu einem großen Teil zu SysV kompatibel: SysV-Init-Skripte werden unterstützt und werden einfach als ein alternatives (wenn auch begrenztes) Konfigurationsdateiformat verstanden. Die SysV-Schnittstelle /dev/initctl wird bereitgestellt und Kompatibilitätsimplementierungen der verschiedenen SysV-Client-Werkzeuge sind verfügbar. Zusätzlich werden verschiedene etablierte Unix-Funktionalitäten wie /etc/fstab oder die Utmp-Datenbank unterstützt.

Systemd hat ein minimales Transaktionssystem: Falls eine Unit zum Start oder Herunterfahren aufgefordert wird, wird sie sich und alle Abhängigkeiten zu einer temporären Transaktion hinzufügen. Es wird dann nachweisen, dass die Transaktion konsistent ist (d.h. ob die Ordnung aller Units frei von Zyklen ist). Sollte dies nicht der Fall sein, wird Systemd versuchen, sie zu korrigieren und entfernt alle unwesentlichen Aufträge aus der Transaktion, die die Schleife entfernen könnten. Auch versucht Systemd, nicht wesentliche Aufträge in der Transaktion zu unterdrücken, die einen laufenden Dienst stoppen würden. Schließlich wird überprüft, ob die Aufträge der Transaktion Aufträgen widersprechen, die bereits in die Warteschlange eingereiht wurden, optional wird dann die Transaktion abgebrochen. Falls alles passt und die Transaktion konsistent in ihren Auswirkungen minimiert ist, wird sie mit bereits wartenden Aufträgen zusammengeführt und zu der Ausführungswarteschlange hinzugefügt. Effektiv bedeutet dies, dass Systemd vor der Ausführung einer angefragten Aktion überprüft, dass sie Sinn ergibt, sie falls möglich korrigiert und nur fehlschlägt, falls es wirklich nicht funktionieren kann.

Beachten Sie, dass Transaktionen unabhängig vom Zustand einer Unit zur Laufzeit erstellt werden. Wird daher beispielsweise ein Startauftrag für eine bereits gestartete Unit angefordert, wird er dennoch eine Transaktion erstellen und alle inaktiven Abhängigkeiten aufwecken (und gemäß der definierten Abhängigkeiten eine Weiterleitung zu anderen Aufträgen verursachen). Dies erfolgt, da der in die Warteschlange eingereihte Auftrag zum Zeitpunkt der Ausführung mit dem Zustand der Ziel-Unit verglichen und als erfolgreich und abgeschlossen markiert wird, wenn beide zutreffen. Allerdings zieht dieser Auftrag auch andere Abhängigkeiten aufgrund der definierten Beziehungen herein und führt daher in unserem Beispiel dazu, dass Start-Aufträge für jede dieser inaktiven Units auch in die Warteschlange eingereiht werden.

Systemd enthält native Implementierungen verschiedener Programme, die als Teil des Systemstartprozesses ausgeführt werden müssen. Beispielsweise setzt es den Rechnernamen und konfiguriert das Loopback-Netzwerkgerät. Es richtet auch die verschiedenen API-Dateisysteme, wie /sys oder /proc, ein und hängt sie ein.

Für weitere Informationen über die Konzepte und Ideen hinter Systemd wird auf das Ursprüngliches Designdokument[2] verwiesen.

Beachten Sie, dass einige, aber nicht alle, durch Systemd bereitgestellte Schnittstellen von der Schnittstellenstabilitätszusage[3] abgedeckt sind.

Units können dynamisch zum Systemstartzeitpunkt und zum Systemverwalter-Neuladezeitpunkt erstellt werden, beispielsweise basierend auf anderen Konfigurationsdateien oder auf von der Kernelbefehlszeile übergebenen Parametern. Für Details siehe systemd.generator(7).

Systeme, die Systemd in einem Container oder in einer Initrd-Umgebung aufrufen, sollten die Spezifikation Container-Schnittstelle[4] bzw. initrd-Schnittstelle[5] implementieren.

VERZEICHNISSE

System-Unit-Verzeichnisse
Der Systemd-Systemverwalter liest Unit-Konfigurationen aus verschiedenen Verzeichnissen. Pakete, die Unit-Dateien installieren möchten, sollten sie in dem durch pkg-config systemd --variable=systemdsystemunitdir zurückgelieferten Verzeichnis ablegen. Weitere geprüfte Verzeichnisse sind /usr/local/lib/systemd/system und /lib/systemd/system. Benutzerkonfiguration hat immer Vorrang. pkg-config systemd --variable=systemdsystemconfdir liefert den Pfad zu dem Systemkonfigurationsverzeichnis. Pakete sollten den Inhalt dieser Verzeichnisse mit den Befehlen enable und disable des Werkzeugs systemctl(1) verändern. Eine vollständige Auflistung von Verzeichnissen wird in systemd.unit(5) bereitgestellt.

Benutzer-Unit-Verzeichnisse

Ähnliche Regeln gelten für die Benutzer-Unit-Verzeichnisse. Allerdings wird hier der XDG-Basisverzeichnisspezifikation[6] zum Finden von Units gefolgt. Anwendungen sollten ihre Unit-Dateien in dem durch pkg-config systemd --variable=systemduserunitdir zurückgelieferten Verzeichnis ablegen. Globale Konfiguration erfolgt in dem durch pkg-config systemd --variable=systemduserconfdir gemeldeten Verzeichnis. Die Befehle enable und disable des Werkzeugs systemctl(1) können sowohl mit globaler (d.h. für alle Benutzer) als auch privater (für einen Benutzer) Freigabe/Ausschaltung von Units umgehen. Eine vollständige Auflistung von Verzeichnissen wird in systemd.unit(5) bereitgestellt.

SysV-Init-Skripte-Verzeichnis

Der Ort der SysV-Init-Skript-Verzeichnisse unterscheidet sich zwischen Distributionen. Falls Systemd für den angefragten Dienst keine native Unit-Datei finden kann, wird es nach einem SysV-Init-Skript des gleichen Namens (ohne die Endung .service) schauen.

SysV-Runlevel-Linksammelverzeichnis

Der Ort der SysV-Runlevel-Linksammelverzeichnisse unterscheidet sich zwischen Distributionen. Systemd wird die Linksammlung berücksichtigen, wenn es bestimmt, ob ein Dienst freigegeben werden soll. Beachten Sie, dass eine Dienste-Unit mit einer nativen Unit-Konfigurationsdatei nicht durch Aktivierung in der SysV-Runlevel-Linksammlung gestartet werden kann.

SIGNALE

SIGTERM
Nach Empfang dieses Signals serialisiert der Systemd-Systemverwalter seinen Zustand, führt sich selbst erneut aus und deseriealisiert den gespeicherten Zustand wieder. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl daemon-reexec.

Systemd-Benutzerverwalter werden die Unit exit.target starten, wenn dieses Signal empfangen wird. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl --user start exit.target --job-mode=replace-irreversibly.

SIGINT

Nach Empfang dieses Signals wird der Systemverwalter die Unit ctrl-alt-del.target starten. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start ctrl-alt-del.target --job-mode=replace-irreversibly. Falls dieses Signal mehr als sieben Mal in zwei Sekunden empfangen wird, wird ein sofortiger Systemneustart ausgelöst. Beachten Sie, dass Drücken von Strg+Alt+Entf auf der Konsole dieses Signal auslösen wird. Hängt daher ein Neustart, ist das siebenmalige Drücken von Strg+Alt+Entf in zwei Sekunden eine relativ sichere Art, einen sofortigen Neustart auszulösen.

Systemd-Benutzerverwalter behandeln dieses Signal auf die gleiche Art wie SIGTERM.

SIGWINCH

Wenn dieses Signal empfangen wird, startet der Systemd-Systemverwalter die Unit kbrequest.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start kbrequest.target.

Dieses Signal wird von Systemd-Benutzerverwaltern ignoriert.

SIGPWR

Wenn dieses Signal empfangen wird, startet der Systemd-Systemverwalter die Unit sigpwr.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start sigpwr.target.

SIGUSR1

Wenn dieses Signal empfangen wird, versucht der Systemd-Systemverwalter, sich erneut mit dem D-Bus-Bus zu verbinden.

SIGUSR2

Wenn dieses Signal empfangen wird, protokolliert der Systemd-Systemverwalter seinen kompletten Zustand in menschenlesbarer Form. Die protokollierten Daten sind identisch zu den von systemd-analyze dump ausgegebenen.

SIGHUP

Lädt die komplette Daemon-Konfiguration neu. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl daemon-reload.

SIGRTMIN+0

Betritt den Standardmodus, startet die Unit default.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl isolate default.target.

SIGRTMIN+1

Betritt den Rettungsmodus, startet die Unit rescue.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl isolate rescue.target.

SIGRTMIN+2

Betritt den Notfallmodus, startet die Unit emergency.service. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl isolate emergency.service.

SIGRTMIN+3

Hält die Maschine an, startet die Unit halt.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start halt.target --job-mode=replace-irreversibly.

SIGRTMIN+4

Schaltet die Maschine aus, startet die Unit poweroff.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start poweroff.target --job-mode=replace-irreversibly.

SIGRTMIN+5

Startet die Maschine neu, startet die Unit reboot.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start reboot.target --job-mode=replace-irreversibly.

SIGRTMIN+6

Startet die Maschine mittels kexec neu, startet die Unit kexec.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start kexec.target --job-mode=replace-irreversibly.

SIGRTMIN+13

Hält die Maschine sofort an.

SIGRTMIN+14

Schaltet die Maschine sofort aus.

SIGRTMIN+15

Startet die Maschine sofort neu.

SIGRTMIN+16

Startet die Maschine sofort mit kexec neu.

SIGRTMIN+20

Aktiviert die Anzeige von Statusmeldungen auf der Konsole, wie dies mit systemd.show_status=1 auf der Kernelbefehlszeile gesteuert wird.

SIGRTMIN+21

Deaktiviert die Anzeige von Statusmeldungen auf der Konsole, wie dies mit systemd.show_status=0 auf der Kernelbefehlszeile gesteuert wird.

SIGRTMIN+22

Setzt die Protokollierstufe des Diensteverwalters auf »debug«, in einer Art, die äquivalent zu systemd.log_level=debug auf der Kernelbefehlszeile ist.

SIGRTMIN+23

Stellt die Protokollierstufe wieder auf ihren konfigurierten Wert her. Der konfigurierte Wert wird, in dieser Prioritätsreihenfolge, von dem mit systemd.log-level= auf der Kernelbefehlszeile angegebenen Wert oder dem mit LogLevel= in der Konfigurationsdatei festgelegten Wert oder dem eingebauten Wert »info« abgeleitet.

SIGRTMIN+24

Verlässt den Verwalter sofort (nur für --user-Instanzen verfügbar).

SIGRTMIN+26

Stellt das Protokollierziel wieder auf seinen konfigurierten Wert her. Der konfigurierte Wert wird, in dieser Prioritätsreihenfolge, von dem mit systemd.log-target= auf der Kernelbefehlszeile angegebenen Wert oder dem mit LogTarget= in der Konfigurationsdatei festgelegten Wert oder dem eingebauten Wert abgeleitet.

SIGRTMIN+27, SIGRTMIN+28

Setzt das Protokollierziel auf »console« bei SIGRTMIN+27 (oder »kmsg« bei SIGRTMIN+28), in einer Art äquivalent zu systemd.log_target=console (oder systemd.log_target=kmsg bei SIGRTMIN+28) auf der Kernelbefehlszeile.

UMGEBUNGSVARIABLEN

$SYSTEMD_LOG_LEVEL
Systemd liest die Protokollierstufe aus dieser Umgebungsvariablen. Dies kann mit --log-level= außer Kraft gesetzt werden.

$SYSTEMD_LOG_TARGET

Systemd liest das Protokollierziel aus dieser Umgebungsvariablen. Dies kann mit --log-target= außer Kraft gesetzt werden.

$SYSTEMD_LOG_COLOR

Steuert, ob Systemd wichtige Protokollnachrichten hervorhebt. Dies kann mit --log-color= außer Kraft gesetzt werden.

$SYSTEMD_LOG_LOCATION

Steuert, ob Systemd den Code-Ort zusammen mit der Protokollnachricht ausgibt. Dies kann mit --log-location= außer Kraft gesetzt werden.

$XDG_CONFIG_HOME, $XDG_CONFIG_DIRS, $XDG_DATA_HOME, $XDG_DATA_DIRS

Der Systemd-Benutzerverwalter verwendet diese Variablen in Übereinstimmung mit der XDG-Basisverzeichnisspezifikation[6], um seine Konfiguration zu finden.

$SYSTEMD_UNIT_PATH

Steuert, wo Systemd nach Unit-Dateien schaut.

$SYSTEMD_SYSVINIT_PATH

Steuert, wo Systemd nach SysV-Init-Skripten schaut.

$SYSTEMD_SYSVRCND_PATH

Steuert, wo Systemd nach SysV-Init-Skript-Runlevel-Linksammlungen schaut.

$SYSTEMD_PAGER

Zu verwendendes Textanzeigeprogramm, wenn --no-pager nicht angegeben ist; setzt $PAGER außer Kraft. Falls weder $SYSTEMD_PAGER noch $PAGER gesetzt sind, wird eine Reihe wohlbekannter Textanzeigeprogrammimplementierungen der Reihe nach ausprobiert, einschließlich less(1) und more(1), bis eines gefunden wird. Falls keine Textanzeigeprogrammimplementierung gefunden wird, wird keines aufgerufen. Setzen der Umgebungsvariablen auf die leere Zeichenkette oder den Wert »cat« ist äquivalent zur Übergabe von --no-pager.

$SYSTEMD_LESS

Setzt die an less übergebenen Optionen (standardmäßig »FRSXMK«) außer Kraft.

Benutzer könnten insbesondere zwei Optionen ändern wollen:

K

Diese Option weist das Textanzeigeprogramm an, sich sofort beim Druck von Strg-C zu beenden. Um less die Handhabung von Strg-C selbst zum Umschalten auf die Eingabeaufforderung zu erlauben, setzen Sie diese Option zurück.

Falls der Wert von $SYSTEMD_LESS kein »K« enthält und less das aufgerufene Textanzeigeprogramm ist, wird Strg+C durch das Programm ignoriert und muss durch das Textanzeigeprogramm selbst gehandhabt werden.

X

Diese Option weist das Textanzeigeprogramm an, keine Termcap-Initialisierungs- und -Deinitalisierungszeichenketten an das Terminal zu senden. Dies ist standardmäßig gesetzt, damit die Darstellung von Befehlen selbst nach dem Beenden des Textanzeigeprogramms sichtbar bleibt. Allerdings stehen dadurch einige Funktionen des Textanzeigeprogramms nicht zur Verfügung; insbesondere ist das Scrollen in der Ausgabe mit der Maus nicht möglich.

Siehe less(1) für weitere Ausführungen.

$SYSTEMD_LESSCHARSET

Setzt den an less zu übergebenden Zeichensatz (standardmäßig »utf-8«, falls das aufrufende Terminal als UTF-8-kompatibel erkannt wurde) außer Kraft.

$SYSTEMD_COLORS

Dies muss ein logischer Wert sein. Er steuert, ob farbige Ausgabe erstellt werden soll. Dies kann angegeben werden, um die Entscheidung, die systemd basierend auf $TERM und der Art der angebundenen Konsole trifft, außer Kraft zu setzen.

$SYSTEMD_URLIFY

Dies muss ein logischer Wert sein. Er steuert, ob anklickbare Links für Terminal-Emulatoren, die dies unterstützen, erstellt werden sollen. Dies kann angegeben werden, um die Entscheidung, die systemd basierend auf $TERM und anderen Bedingungen trifft, außer Kraft zu setzen.

$LISTEN_PID, $LISTEN_FDS, $LISTEN_FDNAMES

Wird durch Systemd für überwachte Prozesse während Socket-basierter Aktivierung gesetzt. Siehe sd_listen_fds(3) für weitere Informationen.

$NOTIFY_SOCKET

Wird durch Systemd für überwachte Prozesse für Status- und Hochfahrabschlussbenachrichtigungen gesetzt. Siehe sd_notify(3) für weitere Informationen.

Für weitere Umgebungsvariablen, die von Systemd und seinen verschiedenen Komponenten verstanden werden, siehe Bekannte Umgebungsvariablen[7].

KERNEL-BEFEHLSZEILE

Bei der Ausführung als Systeminstanz wertet Systemd eine Reihe von nachfolgend aufgeführten Optionen aus. Sie können als Kernelbefehlszeilenargumente[8] oder durch die EFI-Variable »SystemdOptions« (auf EFI-Systemen) festgelegt werden. Die Kernelbefehlszeile hat eine höhere Priorität. Folgende Variablen werden interpretiert:

systemd.unit=, rd.systemd.unit=

Setzt die beim Systemstart zu aktivierende Unit außer Kraft. Standardmäßig default.target. Dies kann temporär zum Starten in eine andere Systemstart-Unit verwandt werden, beispielsweise rescue.target oder emergency.service. Siehe systemd.special(7) für Details über diese Units. Wird der Option »rd.« vorangestellt, dann wird sie nur in der anfänglichen RAM-Platte (Initrd) berücksichtigt, während die Option ohne diese Zeichenkette am Anfang nur im Hauptsystem berücksichtigt wird.

systemd.dump_core

Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument angegeben. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) einen Speicherauszug schreiben, wenn er abstürzt. Andernfalls wird kein Speicherauszug erstellt. Standardmäßig aktiviert.

systemd.crash_chvt

Akzeptiert eine positive Ganzzahl oder ein logisches Argument. Kann auch ohne Argument angegeben werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert. Falls eine positive Ganzzahl (im Bereich 1…63) angegeben ist, wird der Systemverwalter (PID 1) die angegebene Anzahl an virtuellen Terminals (VTs) erstellen, wenn er abstürzt. Standardmäßig deaktiviert, was bedeutet, dass dies nicht versucht wird. Falls auf aktiviert gesetzt, wird der VT, auf den die Kernelnachrichten geschrieben werden, ausgewählt.

systemd.crash_shell

Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument angegeben. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) nach einer Verzögerung von 10 Sekunden eine Shell starten, wenn er abstürzt. Andernfalls wird keine Shell gestartet. Aus Sicherheitsgründen standardmäßig deaktiviert, da die Shell nicht durch Passwortauthentifizierung geschützt ist.

systemd.crash_reboot

Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument angegeben. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) nach einer Verzögerung von 10 Sekunden die Maschine neustarten, wenn er abstürzt. Andernfalls wird das System unbegrenzt hängen. Standardmäßig deaktiviert, um eine Neustartschleife zu verhindern. Falls mit systemd.crash_shell kombiniert, wird das System neu gestartet, nachdem die Shell sich beendet.

systemd.confirm_spawn

Akzeptiert ein logisches Argument oder einen Pfad zu einer virtuellen Konsole, auf der Bestätigungsmeldungen ausgegeben werden sollen. Kann auch ohne Argument angegeben werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) um Bestätigung bitten, wenn er einen Prozess mittels /dev/console startet. Falls ein Pfad oder Konsolename (wie »ttyS0«) bereitgestellt wird, wird stattdessen die durch diesen Pfad angezeigte virtuelle Konsole oder durch den übergebenen Namen beschriebene stattdessen verwandt. Standardmäßig deaktiviert.

systemd.service_watchdogs=

Akzeptiert ein logisches Argument. Falls deaktiviert, werden alle Laufzeit-Watchdogs für Dienste (WatchdogSec=) und Notfallaktionen (z.B. OnFailure= oder StartLimitAction=) durch den Systemverwalter (PID 1) ignoriert, siehe systemd.service(5). Standardmäßig deaktiviert, d.h. Watchdogs und Fehlschlagaktionen werden normal verarbeitet. Der Hardware-Watchdog ist durch diese Option nicht betroffen.

systemd.show_status

Akzeptiert ein logisches Argument oder die Konstanten error und auto. Kann auch ohne Argument angegeben werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) auf der Konsole beim Systemstart knappe Dienstestatusaktualisierungen anzeigen. Bei error werden nur Meldungen über Fehler angezeigt, der Systemstart erfolgt ansonsten still. auto verhält sich wie false, bis es beim Systemstart zu signifikanten Verzögerungen kommt. Standardmäßig aktiviert, außer quiet wird als Kernelbefehlszeilenoption angegeben. In letzterem Fall ist die Vorgabe error. Ist dies angegeben, setzt es die Konfigurationsdateioption ShowStatus= des Systemverwalters außer Kraft, siehe systemd-system.conf(5).

systemd.status_unit_format=

Akzeptiert entweder name oder description als Wert. Falls name, wird der Diensteverwalter Unit-Namen in Statusmeldungen verwenden. Falls angegeben, setzt dies die Konfigurationsoption StatusUnitFormat= des Systemverwalters außer Kraft, siehe systemd-system.conf(5).

systemd.log_target=, systemd.log_level=, systemd.log_location=, systemd.log_color

Steuert die Protokollausgabe, mit dem gleichen Effekt wie die oben beschriebenen Umgebungsvariablen $SYSTEMD_LOG_TARGET, $SYSTEMD_LOG_LEVEL, $SYSTEMD_LOG_LOCATION, $SYSTEMD_LOG_COLOR. systemd.log_color kann ohne Argumente angegeben werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert.

systemd.default_standard_output=, systemd.default_standard_error=

Steuert die Standardausgabe und Fehlerausgabe für alle Dienste und Sockets. D.h. steuert die Vorgabe für StandardOutput= und StandardError= (siehe systemd.exec(5) für Details). Akzeptiert einen aus inherit, null, tty, journal, journal+console, kmsg, kmsg+console. Falls kein Argument angegeben wird, ist die Vorgabe für systemd.default-standard-output= journal und für systemd.default-standard-error= inherit.

systemd.setenv=

Akzeptiert ein Zeichenkettenargument in der Form VARIABLE=WERT. Kann zum Setzen der Standardumgebungsvariablen, die mit Fork erstellten Kindern hinzugefügt werden sollen, verwandt werden. Kann mehr als einmal verwandt werden, um mehrere Variablen zu setzen.

systemd.machine_id=

Akzeptiert einen 32-Zeichen-Hexadezimalwert zum Setzen der Maschinenkennung. Hauptsächlich für den Systemstart über das Netzwerk gedacht, bei dem die gleiche Maschinenkennung für jeden Systemstart erwünscht ist.

systemd.unified_cgroup_hierarchy

Wird das ohne Argument oder mit einem wahren Argument angegeben, aktiviert dies die Verwendung der vereinigten Cgroup-Hierarchie[9] (auch als cgroups-v2 bekannt). Wird es mit einem falschen Argument angegeben, wird es auf hybride oder die komplette veraltete Cgroup-Hierarchie zurückfallen.

Falls diese Option nicht angegeben ist, wird das Standardverhalten während der Kompilierung (mit der Meson-Option -Ddefault-hierarchy=) bestimmt. Falls der Kernel die vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht unterstützt, wird die alte Hierarchie verwandt, selbst wenn diese Option angegeben ist.

systemd.legacy_systemd_cgroup_controller

Wird wirksam, falls die komplette vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht verwandt wird (siehe vorherige Option). Deaktiviert die »hybride« Cgroup-Hierarchie (d.h. eines von Systemd verwandten cgroups-v2-Baumes und der alten Cgroup-Hierarchie[10], für andere Controller auch als cgroups-v1 bekannt), falls ohne oder mit einem wahren Argument angegeben und erzwingt den vollständigen »alten« Modus. Aktiviert die Verwendung der »hybriden« Hierarchie, falls mit einem falschen Argument angegeben.

Falls diese Option nicht angegeben ist, wird das Standardverhalten während der Kompilierung (mit der Meson-Option -Ddefault-hierarchy=) bestimmt. Falls der Kernel die vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht unterstützt, wird die alte Hierarchie verwandt, selbst wenn diese Option angegeben ist.

quiet

Schaltet Statusausgaben beim Systemstart aus, ähnlich wie dies systemd.show_status=no täte. Beachten Sie, dass diese Option auch vom Kernel selbst gelesen wird und Kernelprotokollierungsausgaben deaktiviert. Die Übergabe dieser Option schaltet daher die normale Ausgabe sowohl vom Systemverwalter als auch dem Kernel aus.

debug

Schaltet den Fehlersuchmodus ein. Dies ist äquivalent zu systemd.log_level=debug. Beachten Sie, dass diese Option auch vom Kernel selbst gelesen wird und die Kernel-Fehlersuchausgabe aktiviert. Die Übergabe dieser Option schaltet daher die Fehlersuchausgabe sowohl vom Systemverwalter als auch des Kernels ein.

emergency, rd.emergency, -b

Systemstart in den Notfallmodus. Dies ist zu systemd.unit=emergency.target bzw. rd.systemd.unit=emergency.target äquivalent und wird aus Kompatibilitätsgründen und da es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

rescue, rd.rescue, single, s, S, 1

Systemstart in den Rettungsmodus. Dies ist zu systemd.unit=rescue.target bzw. rd.systemd.unit=rescue.target äquivalent und wird aus Kompatibilitätsgründen und da es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

2, 3, 4, 5

Systemstart in den angegebenen veralteten SysV-Runlevel. Dies ist zu systemd.unit=runlevel2.target, systemd.unit=runlevel3.target, systemd.unit=runlevel4.target bzw. systemd.unit=runlevel5.target äquivalent und wird aus Kompatibilitätsgründen und da es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

locale.LANG=, locale.LANGUAGE=, locale.LC_CTYPE=, locale.LC_NUMERIC=, locale.LC_TIME=, locale.LC_COLLATE=, locale.LC_MONETARY=, locale.LC_MESSAGES=, locale.LC_PAPER=, locale.LC_NAME=, locale.LC_ADDRESS=, locale.LC_TELEPHONE=, locale.LC_MEASUREMENT=, locale.LC_IDENTIFICATION=

Setzt die zu verwendende System-Locale. Dies setzt die Einstellungen in /etc/locale.conf außer Kraft. Für weitere Informationen siehe locale.conf(5) und locale(7).

Für weitere von Komponenten des Kernbetriebssystems verstandene Kernelbefehlszeilenparameter siehe kernel-command-line(7).

OPTIONEN

Systemd wird nur sehr selten direkt aufgerufen, da es früh gestartet wird und bereits läuft, wenn Benutzer mit ihm interagieren. Normalerweise werden Werkzeuge wie systemctl(1) verwandt, um Befehle an den Verwalter abzusetzen. Da systemd normalerweise nicht direkt aufgerufen wird, sind die nachfolgend aufgeführten Optionen hauptsächlich zur Fehlersuche und für besondere Zwecke nützlich.

Optionen zur Selbstprüfung und Fehlersuche

Diese Optionen werden zum Testen und zur Selbstprüfung verwandt und systemd kann mit ihnen jederzeit aufgerufen werden:

--dump-configuration-items

Gibt die verstandenen Unit-Konfigurationselemente aus. Diese Ausgabe ist eine knappe, aber komplette Liste aller Konfigurationselemente in Unit-Definitionsdateien.

--dump-bus-properties

Gibt offengelegte Buseigenschaften aus. Diese Ausgabe ist eine knappe, aber komplette Liste von Eigenschaften, die auf D-Bus offengelegt sind.

--test

Bestimmt die anfängliche Hochfahrtransaktion (d.h. die Liste der beim Hochfahren in die Warteschlange eingereihten Aufträge), gibt sie aus und beendet sich, ohne tatsächlich irgend einen der bestimmten Aufträge auszuführen. Diese Option ist nur zur Fehlersuche nützlich. Beachten Sie, dass während des regulären Hochfahrens des Diensteverwalters Units, die von dieser Aktion nicht angezeigt werden, gestartet werden könnten, da Hardware, Sockets, Busse oder andere Arten von Aktivierungen zusätzliche Aufträge während der Ausführung der Transaktion hinzufügen könnnten. Verwenden Sie --system, um die anfängliche Transaktion des Systemdiensteverwalters zu erbitten (was die implizite Vorgabe ist). Kombinieren Sie mit --user, um stattdessen die anfängliche Transaktion für den benutzerbezogenen Diensteverwalter zu erbitten.

--system, --user

Wählt aus, ob die anfängliche Transaktion für die Systeminstanz oder für die benutzerbezogene Instanz berechnet werden soll, wenn zusammen mit --test verwandt. Diese Option hat keine Wirkung ohne --test, da während des regulären (d.h. ohne --test) Aufrufs der Diensteverwalter automatisch erkennen wird, ob er im System- oder benutzerbezogenen Modus agieren soll, indem er prüft, ob die PID, unter der er laufen soll, 1 ist oder nicht. Beachten Sie, dass das Starten und Betreiben eines Systems, bei dem der Systemverwalter im Modus --system aber mit einer von 1 verschiedenen PID läuft, nicht unterstützt wird.

-h, --help

Zeigt einen kurzen Hilfetext an und beendet das Programm.

--version

Zeigt eine kurze Versionszeichenkette an und beendet das Programm.

Optionen, die Kernelbefehlszeileneinstellungen duplizieren

Diese Optionen entsprechen direkt den oben unter »Kernel-Befehlszeile« aufgeführten Optionen. Beide Formen können gleichwertig für den Systemverwalter verwandt werden, aber es wird empfohlen, in diesem Zusammenhang die oben aufgeführten Formen einzusetzen, da ihnen ein korrekter Namensraum zugewiesen ist. Wenn eine Option sowohl auf der Kernelbefehlszeile als auch als normales Befehlszeilenargument angegeben ist, hat letztere höheren Vorrang.

Wird systemd als Benutzerverwalter eingesetzt, wird die Kernelbefehlzeile ignoriert und die beschriebenen Optionen werden verstanden. Da systemd normalerweise durch den Dienst user@.service(5) in diesem Modus gestartet wird und der Dienst von allen Benutzer gemeinsam verwandt wird, kann es bequemer sein, die Konfigurationsdatei zu verwenden, um Einstellungen zu verändern, siehe systemd-user.conf(5), oder eine Ergänzungsdatei, die eine der oben in »Uumgebungsvariablen« aufgeführten Umgebungsvariablen festlegt, siehe systemd.unit(5).

--unit=

Setzt die beim Starten zu aktivierende Vorgabe-Unit. Falls nicht angegeben, ist die Vorgabe default.target. Siehe systemd.unit= weiter oben.

--dump-core

Beim Absturz Kernspeicherabzüge aktivieren. Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keinen Effekt. Identisch zu systemd.dump_core= weiter oben.

--crash-vt=VT

Beim Absturz auf eine bestimmte virtuelle Konsole (VT) umschalten. Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keine Wirkung. Identisch zu systemd.crash_chvt= oben (beachten Sie aber die andere Schreibweise).

--crash-shell

Führt beim Systemabsturz eine Shell aus. Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keinen Effekt. Siehe systemd.crash_shell= weiter oben.

--crash-reboot

Beim Systemabsturz automatisch das System neustarten. Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keinen Effekt. Siehe systemd.crash_reboot weiter oben.

--confirm-spawn

Beim Öffnen von Prozessen um Bestätigung bitten. Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keinen Effekt. Siehe systemd.confirm_spawn weiter oben.

--show-status

Zeigt knappe Unit-Statusinformationen während des Hochfahrens und Herunterfahrens auf der Konsole. Siehe systemd.show_status oben.

--log-target=

Setzt Protokollierziel. Siehe systemd.log_target weiter oben.

--log-level=

Setzt Protokollierstufe. Siehe systemd.log_level weiter oben.

--log-color

Hebt wichtige Protokollmeldungen hervor. Siehe systemd.log_color oben.

--log-location

Schließt den Ort im Code in Protokollmeldungen ein. Siehe systemd.log_location oben.

--machine-id=

Setzt die auf der Festplatte gesetzte Maschinenkennung außer Kraft. Siehe systemd.machine_id= oben.

--service-watchdogs

Global alle Dienste-Watchdog-Zeitüberschreitungen und Notfallaktionen aktivieren/deaktivieren. Siehe systemd.service_watchdogs weiter oben.

--default-standard-output=, --default-standard-error=

Setzt die Vorgabe-Standardausgabe und -Fehlerausgabe für alle Dienste bzw. Sockets. Siehe systemd.default_standard_output= und systemd.default_standard_error= oben.

SOCKETS UND FIFOS

/run/systemd/notify
Daemon-Statusbenachrichtigungs-Socket. Dies ist ein AF_UNIX-Datagram-Socket, das zur Implementierung der Benachrichtigungslogik des Daemons mit sd_notify(3) verwandt wird.

/run/systemd/private

Wird intern als Kommunikationskanal zwischen systemctl(1) und dem Systemd-Prozess verwandt. Dies ist ein AF_UNIX-Stream-Socket. Diese Schnittstelle ist für Systemd privat und sollte in externen Projekten nicht verwandt werden.

/dev/initctl

Eingeschränkte Kompatibilitätsunterstützung für SysV-Client-Schnittstellen, wie sie von der Unit systemd-initctl.service implementiert wird. Dies ist eine benannte Pipe im Dateisystem. Diese Schnittstelle ist veraltet und sollte in neuen Anwendungen nicht verwandt werden.

SIEHE AUCH

Die Systemd-Homepage[11], systemd-system.conf(5), locale.conf(5), systemctl(1), journalctl(1), systemd-notify(1), daemon(7), sd-daemon(3), systemd.unit(5), systemd.special(5), pkg-config(1), kernel-command-line(7), bootup(7), systemd.directives(7)

ANMERKUNGEN

1.
cgroups.txt
2.
Ursprüngliches Designdokument
3.
Schnittstellenstabilitätszusage
4.
Container-Schnittstelle
5.
Initrd-Schnittstelle
6.
XDG-Basisverzeichnisspezifikation
7.
Bekannte Umgebungsvariablen
8.
Falls innerhalb eines Linux-Containers ausgeführt, können diese Argumente als Befehlszeilenargumente an Systemd selbst übergeben werden, neben allen anderen Befehlszeilenoptionen, die in dem obigen Abschnitt »Optionen« aufgeführt sind. Falls außerhalb von Linux-Containern ausgeführt, werden diese Argumente stattdessen aus /proc/cmdline ausgewertet.
9.
Vereinigte Cgroup-Hierarchie
10.
Alte Cgroup-Hierarchie
11.
Systemd-Homepage

ÜBERSETZUNG

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

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